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Eine einfache Ablage. Mit Shaper Origin und guter Planung zum perfekten Ergebnis.

Inhalt

Die Aufgabe klingt einfach, eine Ablage für einen Laptop und eine Steuerung an eine Modellbahnanlage anbauen. Die Anforderungen sind aber noch etwas spezieller. Ich wollte die Oberfläche aus Kirschbaum und die Kanten passend zum Unterbau in Lichtgrau. ABS Kanten sollten es sein, damit die Kante auf Dauer robust bleibt. Die Ablage muss über die Vorderkante der Anlage überstehen, daher erschienen mir stark abgerundete Ecken als sinnvoll. Das alles soll natürlich sehr präzise sein. Also genau das passende kleine Projekt, um es mit der Shaper Origin umzusetzen.

Die Platte furnieren

Bevor gefräst werden kann, muss aber erst einmal das Material vorbereitet werden. Als Trägerplatte kommt eine Stabplatte mit HDF-Deck zum Einsatz. Ich verwende diese Platten sehr gerne. Sie sind leichter als herkömmliches MDF/HDF, lassen sich aufgrund des Kerns aus Nadelholz auch gut in die Kante schrauben oder dübeln. Die Oberfläche aus HDF (ähnlich MDF) lässt sich gut furnieren. Der Kern aus Nadelholz sorgt auch für eine gute Stabilität. Regalböden aus diesem Material biegen sich weniger stark durch als Spanplatten oder MDF.

Ich furniere oft und gerne, weshalb ich inzwischen einen gut organisierten Arbeitsablauf und die passenden Werkzeuge und Maschinen im Einsatz habe. Du kannst aber auch mit weniger Werkzeugeinsatz in deiner Werkstatt furnieren. Das dauert dann zwar vielleicht ein wenig länger, aber es geht. Und wie das genau geht, zeige ich dir auch im Kurs "Kleine Furnierarbeiten". Aber auch in anderen Kursen wird immer wieder mal etwas zum Furnieren gezeigt.

Im Laufe der Zeit habe ich auch unterschiedliche Arten des Fügens ausprobiert und gezeigt, die Furniere zu fügen. Meine derzeitigen Favoriten bei dieser Arbeit sind die Handkreissäge mit Führungsschiene und die Hobelmaschine. Die vier Blätter für diese Ablage wurden einfach zwischen zwei Sperrholzstreifen gezwingt und über die Abrichte geschoben. Die Kanten werden perfekt. Anschließend müssen die Blätter nur noch mit Fugenpapier verklebt werden. Inzwischen verleime ich die Fugen auch immer noch mit Weißleim. Dadurch bleiben sie wirklich perfekt dicht.

Ein sehr effektives und wahnsinnig günstiges Werkzeug, das du zum Furnieren, besser gesagt zum Auftragen des Leims benutzen solltest, ist eine Leimspachtel. Damit ist es ganz einfach, die richtige Leimmenge aufzutragen. Und nach getaner Arbeit ist die Reinigung blitzschnell erledigt. Es gibt dazu auch einen sehr interessanten Blogbeitrag.

Du kannst die Furniere mit Pressplatten auf die Trägerplatte leimen. Das geht bei kleinen Werkstücken erstaunlich schnell und einfach. Werden die zu furnierenden Platten größer, wird es damit allerdings schwierig. Wenn du öfter furnieren möchtest, denk ruhig mal über die Anschaffung eines Vakuumsackes mit passender Pumpe nach. Das funktioniert super und braucht nur wenig Platz.

Nach dem Furnieren werden die Kanten noch nachgeschnitten, das Klebeband wird entfernt und die Platte wird bis Korn 180 geschliffen.

Muss es die Shaper Origin sein?

Du kannst eine solche Platte mit abgerundeten Ecken und Kante auch ohne eine CNC-Maschine anfertigen. Die Ecken kannst du mittels Oberfräse abrunden und die Kanten ließen sich mit Kontaktkleber auch an der Rundung befestigen. Wenn du sorgfältig arbeitest, bekommst du auch mit dieser Methode gute Ergebnisse. Ich habe das mehrfach für Kundenaufträge so gemacht. Es gibt allerdings immer noch ein gewisses Risiko, dass die Kante nicht perfekt dicht wird oder die furnierte Platte irgendwo ausreißt.

Fräsen mit der Shaper Origin

Die hier gezeigte Methode macht sich die enorme Präzision der Shaper Origin zunutze. Das ginge natürlich auch mit einer anderen CNC-Fräse. Die Form der Platte wird komplett in einer Aufspannung aus einer etwas größeren Platte herausgefräst. Passend dazu, also genau mit dem Versatz entsprechend der Stärke der aufzuleimenden Kante werden dann Schablonen gefräst, die beim Verleimen der Kante den nötigen Anpressdruck bringen. Das funktioniert allerdings nur dann, wenn das alles sehr genau gefertigt ist. Den kompletten Arbeitsablauf kannst du dir in diesem Video anschauen.

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Mehr Informationen

Wie du siehst, bedarf es trotz moderner Maschinen immer noch einer guten Planung. Dann macht eine solche Maschine wie die Shaper Origin aber richtig Spaß. Wenn dann am Ende alles passt, hat sich der Aufwand auch gelohnt. Obwohl dieser im Vergleich zu anderen Arbeitsweisen auch nicht höher sein dürfte, im Gegenteil. Würde man jetzt mehre Platten anfertigen, würde sich die recht hohe Rüstzeit auch wieder relativieren. Aber auch das ist bei nahezu jeder anderen Fertigungsmethode nicht anders.

Die Vorrichtung für das Fräsen großer Werkstücke mit dem bereits aufgeklebten Shaper-Tape ist sehr einfach zu bauen. Einen Artikel dazu findest du hier:
Shaper Tape sparen und einfacher große Werkstücke fräsen (Bis ca. 900 x 500mm)

Kante anleimen

Die Schablonen passen also und es kann angeleimt werden. Jede Verleimung sollte gut vorbereitet werden, denn beim Verleimen zählt jede Minute. Der Leim sollte möglichst frisch verpresst werden. Mach am besten einen Trockenversuch. Dabei siehst du auch, was du alles benötigst und kannst dir alles zurechtlegen. Du hast hierbei alle Zeit der Welt und musst dich nicht beeilen. Mach auch ein kurzes Probestück mit Kante. Dazu reicht ein Reststück aus. Es muss auch nicht das gleiche Plattenmaterial sein. Mit diesem Probestück kannst du später, wenn es ans Bündigfräsen geht, die Einstellung der Oberfräse prüfen.

Erst wenn das alles erledigt ist, fängt man mit dem Verleimen an. Für das Anleimen der ABS Kanten kannst du keinen normalen Weißleim nehmen. Es gibt spezielle Kantenleime, wie den "Kantol*". Zur Not geht auch ein Lackleim. Zum Auftragen von Leim auf Kanten eignen sich Breitdüsen wirklich sehr gut. Diese Düsen tragen drei Spuren Leim auf, der sich dann beim Anpressen der Kante gleichmäßig verteilt.

Beim Anbringen der Kante ist die Reihenfolge sehr wichtig:

  • Erst wird die lange, gerade Kante gepresst,
  • dann die beiden Bögen
  • und zum Schluss die beiden kurzen geraden Kanten.

Lass dem Leim genügend Zeit zum Abbinden. Es handelt sich ja nicht um eine Verleimung von Holz auf Holz. Hier ist nur eine Leimfläche saugend. An der anderen, der ABS Kante muss der Leim erst einmal die Kante etwas anlösen und dann abbinden. Das braucht seine Zeit. Lass die Zwingen also mindestens zwei Stunden drauf. Bei geraden Kanten reichen auch mal 30 Minuten, hier aber nicht.

Kanten bündig fräsen

Beim Bündigfräsen der Kante kann noch einige schief gehen. Die Kante könte ausreißen oder du könntest beim Fräsen abkippen. Die Gefahr des Abkippens ist mit einer leichten Kantenfräse geringer, als mit einer schweren Maschine. Noch besser ist, wenn die Maschine auf einer speziellen Grundplatte sitzt. Dann kannst du sehr sicher und präzise die Kanten bündig fräsen und gleichzeitig abrunden. Wei das genau geht, siehst du in diesem Video.

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Die Oberflächenbehandlung mit Hartwachsöl

Die Oberfläche wird mit OSMO Hartwachsöl behandelt. Das nehme ich sehr gerne für stark beanspruchte Oberflächen. Es wird in mehreren Schichten aufgetragen. Der Überstand wird nicht abgenommen, wie zum Beispiel bei Leinölfirnis. Nach jedem Auftrag muss das Öl etwa 24 Stunden aushärten. Zwar kannst du das Aushärten nicht beschleunigen, du kannst aber dafür sorgen, dass du zumindest beide Seiten der Platte auf einmal und nicht nacheinander ölen kannst. Dazu stellst du das WErkstück einfach aufrecht hin. Damit es nicht umfällt und sich bis an die Kante streichen oder Rollen lässt, werden zwei Klötzchen und ztwei Reststücke an die Hinterkante geschraubt.

Das Hartwachsöl wird verarbeitet, wie ein Lack. Es erfolgt also eine Grundierung, die erst einmal gut druchhärten muss. Nach der Grundierung folgt ein Zwischenschliff mit Korn 320. Anschließend wird die Oberfläche gut entstaubt und es erfolgt ein zweiter Auftrag. Bei Bedark kannst du auch noch einen dritten Ölauftrag machen. Zwischen jedem Auftrag muss aber wieder ein Zwischenschliff gemacht werden. Mehrere dünne Schichten sind robuster und schöner, als wenige zu dicke Schichten.

Der Trick mit dem Handschuh

Du musst nicht für jeden Ölauftrag eine Rolle verschwenden.Du kannst die gleiche Rolle über mehrere Tage hiunweg immer wieder verwenden. Dazu musst du sie möglichst luftdicht verschließen. Wenn du zum Ölen Handschuhe anziehst, kannst du einen der Handschuhe dazu verwenden. Zieh den HAndschuh dazu einfach "auf Links" über die Rolle. Verschließe ihn am Ende mit einem Gummiband. So kommt kaum Luft an die Rolle und sie trocknet nicht ein. NAtürlich kannst du auch die Handschuhe mehrfach verwenden.

Wenn du fertig mit dem Ölen bist, wickelst du die Rolle fest in den Handschuh ein, wickelst wieder ein Gummiband um alles und entsorgst das Paket im Restmüll. So ist auch die Gefahr der Selbstentzündung der Rolle gebannt.

Das funktioniert so auch mit Schwämmen und Pinseln.

Die eingebaute Platte

Der Einbau der Platte in den Unterbau der Anlage ist sehr einfach: wie wird seitlich und hinten einfach mit dem Unterbau verschraubt. Das ist stabil und von außen nicht sichtbar. Auf der Platte ist nun Platz genug für die Technik. Mit der stabilen Kante und der robustenOberfläche sollte diese Platte nun viele Jahre ihren Dienst tun.

Ein Fazit

Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Die Fräsungen mit der Shaper Origin sind erwartungsgemäß sehr präzise geworden. Das dann auch entscheidend zum guten Ergebnis beigetragen. Die Kombination von furnierten Flächen und der ABS-Kante gefällt mir persönlich sehr gut. Es mag sein, dass das alles für diese simple Ablage total übertrieben wirkt. Solche kleinen Projekte sind aber auch tolle Gelegenheiten, Dinge einfach mal auszuprobieren. An zukünftigen Möbeln werde ich das hier gezeigte sicherlich wieder anwenden.

Dieser Artikel hat nicht den Anspruch, dass jeder das gezeigte nachmachen kann. Aber immer mehr Holzwerker und Holzwerkerinnen haben eine Shaper Origin in der heimischen Werkstatt im Einsatz. Wenn du auch eine Shaper Origin hast, konnte ich dir vielleicht einige Tipps geben. Wenn du keine Shaper Origin hast, konntest du hier vielleicht sehen, wie man sie unter anderem einsetzen kann. Und wenn du diese Maschine weder selbst hast, noch anschaffen möchtest, konnte ich dir in diesem Artikel bestimmt dennoch den einen oder anderen nützlichen Tipp für deine Werkstatt und deine Arbeiten geben.

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Über den Autor

Hallo, mein Name ist Heiko Rech. Ich bin Tischlermeister und für die Inhalte der Kurse bei der Kurswerkstatt zuständig - sowohl vor, als auch hinter der Kamera. Dabei ist es mir sehr wichtig euch nicht nur das kreative, sondern auch das sichere Arbeiten mit Holz näher zu bringen.

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