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Der Hobel No.62 geht auf ein Modell von Stanley zurück. Es handelt sich dabei um einen Flachwinkelhobel mit einer Eisenbreite von ca. 50 mm und einer Länge von ca. 350 mm. Dies entspricht in etwa einem Hobel No. 5, der ebenso vielseitig, aber eben kein Flachwinkelhobel ist. Hobel dieser Größe sind lang genug, um damit auch nicht allzu lange Werkstücke abzurichten und zu fügen, aber auch noch kurz genug um Flächen damit zu verputzen. In Kombination mit unterschiedlichen Hobeleisen kannst du einen No. 62 für die Bearbeitung von Hirnholz verwenden (flacher Schnittwinkel ca. 25°), aber auch für das Glätten schwieriger Hölzer (steiler Schnittwinkel ca. 50-60°). Mit einem No. 62 und einem Einhandhobel hast du schon eine sehr gute Grundausstattung und bist für viele Arbeiten gerüstet.

Die neue Version in schwarz

Der Dictum No. 62 ist in der neuen Variante auch optisch deutlich aufgewertet worden. Die Griffe aus Nussbaum und die schwarze Lackierung wirken sehr edel.
Der Dictum No. 62 ist in der neuen Variante auch optisch deutlich aufgewertet worden. Die Griffe aus Nussbaum und die schwarze Lackierung wirken sehr edel.

Dictum hat schon lange einen No. 62 im Sortiment. Neu ist die "Waterjet" Variante mit O2 Eisen. O2 Stahl ist ein sehr harter, kohlenstoffreicher Stahl, der sehr gut für Werkzeugschneiden geeignet, jedoch nicht rostfrei ist. Dictum gibt als Besonderheit dieser Eisen an, dass sie per Wasserstrahl geschnitten werden. Es tritt daher keine Erwärmung bei der Herstellung auf, was generell positiv zu bewerten ist.

Neben den besonderen Eisen ist diese neue Variante auch optisch anders als die bisherigen Hobel von Dictum. Die Griffe sind aus Nussbaum statt aus Buche und die Hobelkörper sind schwarz lackiert, statt rotbraun. Zusammen mit den unbehandelten Metalloberflächen und ein wenig Messing sieht das schon recht edel aus.

Zum Hobel gehört ein sogenannter "Hotdog". Das ist ein Griff, der seitlich angeschraubt werden kann und die Arbeit an einer Stoßlade erleichtert. Diesen Griff gibt es als linke und rechte Ausführung. Wenn du Rechtshänder bist, benötigst du die Variante mit linkem Griff, als Linkshänder mit rechtem Griff. Dazu gibt es den Hobel noch mit Hobeleisen aus anderen Stählen. So kommen einige Varianten dieses Hobels bei Dictum zusammen.

Zerlegen und reinigen

Bevor der Hobel die ersten Späne macht, sollte er erst einmal komplett zerlegt und gereinigt werden. Damit der Hobel nicht rostet, sind alle blanken Eisenflächen mit einem Ölfilm versehen. Der sollte runter. Ich nehme dazu meist Alkohol. Anschließend wird alles noch einmal mit einem trockenen Tuch nachgerieben. Die beweglichen Teile am Hobelmaul werden ganz leicht eingefettet. Ein normales Mehrzweckfett erfüllt hier seit Jahren bei mir gute Dienste.

Diese Vorarbeit ist nicht nur beim Hobel von Dictum nötig, sondern bei fast allen neu gekauften Hobeln und vielen anderen Werkzeugen aus Metall. Es ist auch nicht unüblich, dass die Griffe locker sind. Das schützt sie davor, während des langen Transportes (auf hoher See) zu reißen. Denn Holz arbeitet und wenn es unter Spannung steht, ist das natürlich nicht gut. Also kontrolliere am besten auch gleich die Befestigung der Griffe.

Schärfen des Hobeleisens

Die Hobeleisen von Dictum sind im Allgemeinen schon recht gut vorbereitet, aber nicht wirklich scharf. Das ist nicht ungewöhnlich und auch bei viel teuren Hobeln genauso. Ab Werk haben die Hobeleisen einen Fasenwinkel von 25°. Du kannst sie also nach Belieben steiler schleifen, was durchaus sinnvoll ist. Aber nicht nur die Fase muss noch geschliffen werden, auch die Spiegelseite war bei beiden von mir gekauften Hobeleisen nicht perfekt.

Nach einigen Minuten Schleifarbeit auf einem Stein mit der Körnung 1.000 und dem Nachpolieren mit Korn 8.000 war dieser Teil der Vorbereitung dann aber abgeschlossen. Die Fasen wurden ebenfalls mit diesen beiden Steinen bearbeitet. Erst die Hauptfase anschleifen und dann eine Mikrofase. Die Mikrofase ist bei mir in der Regel 5° steiler als die Hauptfase. Es ist nicht nötig, die komplette Fase umzuschleifen, wenige Millimeter reichen vollkommen aus. Bei Eisen, die später einen Fasewinkel von 25° haben sollen, schleife ich meist nur die vorhandene Fase etwas feiner und ziehe dann eine Mikrofase mit 26-27° an. Es kommt hier nicht auf die ganz genaue Gradzahl an.

Zum Schärfen benutze ich Steine von Shapton aus der Serie "Ha-no-kuromaku". Mit diesen Steinen arbeite ich schon sehr lange und benutze sie für alle meine Werkzeuge. Sie funktionieren auch bei den neuen Hobeleisen aus O2 Stahl sehr gut. Allerdings setzen sie sich etwas schneller mit Abrieb zu, als ich es von anderen Werkzeugen gewohnt bin. Das ist aber kein Problem. Durch häufigere Zugabe von Wasser und dem gelegentlichen Abrichten zwischendurch wird der Stein schnell wieder frei und griffig.

Nacharbeit am Hobeleisen

Leider musste ich eines der Hobeleisen etwas nacharbeiten. Es passte einfach nicht richtig. Schuld war der Schlitz, mit dem das Eisen an der Schraube der Klappe anliegt. Dieser bildet den Drehpunkt zur lateralen Einstellung. Hier sollte also nicht zu viel Luft sein. Wenn es klemmt, ist das aber nicht gut. Das Problem ließ sich mit einer Flachfeile sehr leicht beheben.

Bei dieser Gelegenheit habe ich auch alle anderen Kanten an den Hobeleisen gebrochen. Sie sind schon recht scharfkantig und im Vergleich zu anderen Hobeleisen dieses und anderer Hersteller fast schon grob. Eventuell liegt das am Schnitt mit dem Wasserstrahl.

Erste Späne

Nach all dieser Vorarbeit können dann endlich die ersten Späne fliegen. Mit gut geschärften Hobeleisen macht der Dictum No. 62 einen wirklich guten Job. Mit dem auf etwa 25° geschliffenen Hobeleisen sind feinste Späne in Hirnholz möglich. Bei Verwendung der Stoßlade ist der Zusatzgriff (Hotdog) wirklich sehr angenehm. Die Verstellung des Hobelmauls funktioniert sehr gut, allerdings ist die Verstellung des Hobeleisens nicht so gut gelungen, wie bei anderen Hobeln, die ich hatte und habe.

Die Lateralverstellung ist bei diesen Hobeln immer problematisch, da für eine gute Handhabung einfach der Platz fehlt. Hier ist der vergleichbare Hobel von Veritas (Low Angle Jack) eine Erwähnung wert. Dieser Hobel ist 10 mm breiter als die üblichen No. 62. Daher ist mehr Platz und die Verstellung des Hobeleisens funktioniert sehr gut. Wenn man aber vor dem Verstellen der Spandicke die Klappe ein wenig löst und die Lateralverstellung mittels kleinem Hammer macht, lässt dich der Dictum No. 62 sehr feinfühlig und genau einstellen.

Für die Bearbeitung von Flächen ist ein flacher Schnittwinkel meist nicht so geeignet. Hier liegt die Stärke von Flachwinkelhobeln. Durch den Austausch des Hobeleisens kann der Schnittwinkel verändert werden. Das zweite Eisen wurde daher auf einen Winkel von 40° geschliffen, was einen Schnittwinkel von 52° ergibt. Das Hobeln kostet dann zwar mehr Kraft, aber die Ergebnisse können sich durchaus sehen lassen.

Was die Rechtwinkligkeit des Hobelkörpers angeht, gibt es bei dem von mir gekauften Hobel übrigens nichts zu beanstanden. Der Hobelkörper ist exakt im rechten Winkel und auch das Hobelmaul ist gerade, schließt perfekt und ist im rechten Winkel zur Seite. Also alles so, wie es sein soll.

Vergleich mit dem Lie Nielsen

Zum direkten Vergleich steht mir derzeit mein Lie Nielsen No. 62 zur Verfügung. Das ist eigentlich mein Lieblingshobel und vielleicht bin ich da ja ein wenig befangen. Ich habe ihn schon einige Jahre im Einsatz. Auf den ersten Blick sind sich diese beiden Hobel sehr ähnlich. Es gibt aber doch einige Unterschiede. Insgesamt wirkt der Dictum-Hobel doch etwas klobig im direkten Vergleich zum Lie Nielsen. Während der Lie Nielsen lediglich 2020g wiegt, kommt der Dictum auf stolze 2556g. Das Hobeleisen des Lie Nielsen ist satte 4,7 mm dick, das des Dictum hingegen nur 3,7 mm. Dickere Eisen machen sich vor allem beim Bearbeiten astiger Hölzer positiv bemerkbar. Sie neigen weniger zum Rattern.

Auch bei den Griffen gibt es deutliche Unterschiede. Der Knopf des Lie Nielsen ist niedriger, der hintere Griff etwas schlanker und steiler. Mit persönlich liegen diese Griffe sehr gut in der Hand. Aber wirklich schlecht sind die Griffe beim Hobel von Dictum nicht.

Bei der Mechanik gibt es die größten Unterschiede. Während der Dictum No. 62 eine kombiierte Lateral- und Spandickenverstellung hat, gibt es beim Lie Nielsen lediglich eine Einstellung für die Spandicke. Aufgrund der Tatsache, dass Lateralverstellungen beim klassischen No. 62 meist nicht gut funktionieren, ist da Fehlern dieser Einstellung beim Lie Nielsen daher meiner Meinung nach kein Problem. Mit einem kleinen Hammer lassen sich beide Hobel sehr feinfühlig justieren.

Alles in allem ist der Lie Nielsen im vielen Punkten einfach besser, handlicher und die Verstellung funktioniert auch ohne die Klappe lösen zu müssen. Dummerweise kostet der Lie Nielsen derzeit in Europa aber auch fast doppelt so viel wie der Hobel von Dictum.

Fazit

Mit dem No. 62 von Dictum macht man eigentlich nichts falsch. Bessere Hobel sind gleich um einiges Teurer, Preis-Leistung stimmt aber beim Dictum No. 62. Vergleichbar wäre noch der No. 62 von Juuma. Der hat allerdings das gleiche Problem mit der Einstellung des Hobeleisens. Erschwerend kommt bei diesem Hobel noch hinzu, dass das seitliche Klopfen an das nur drei Millimeter dünne Hobeleisen aufgrund der Eisenform nicht wirklich funktioniert. Alles in allem lässt sich der Dictum also besser einstellen. Für den Juuma gibt es auch keine Hobeleisen aus unterschiedlichen Stählen.

Wer nicht gleich in die Vollen gehen will und einen Veritas oder Lie Nielsen anschaffen möchte, ist mit dem Dictum No. 62 sicherlich gut bedient. Die kleinen Schwächen sind entweder zu verkraften oder leicht zu beheben. Dennoch fand ich es schon schade, dass eines der Eisen mit der Feile passend gemacht werden musste. Auch wenn es nicht viel war.

Ich werde den Hobel in Zukunft sicherlich öfter in meienn Kursen einsetzen, um zu zeigen, dass man auch mit Werkzeugen aus dem mittleren Preissegment gut arbeiten kann. Dennoch ist mir mein Lie Nielsen No. 62 einfach lieber. Aber wie schon erwähnt ist der inzwischen auch richtig teuer geworden.

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Die Raubank ist ein langer Handhobel aus Holz oder Metall. Mit einer Länge von durchschnittlich 480 - 550mm Länge eignet sich dieser Hobel besonders gut zum Bearbeiten langer Werkstücke, zum Planhobeln, zum Fügen von Kanten, aber auch in der Stoßlade macht die Raubank meiner Meinung nach eine gute Figur. Ich möchte eich das Arbeiten mit diesem Hobel etwas näher bringen und euch auch ein paar Tipps und Trick zur Anwendung geben.

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Eine sogenannte "Schweizer Kante" ist eine große und flache Fase, die Tischplatten und andere dicke Bauteile eleganter erscheinen lässt. Das mit Maschinen hinzubekommen, ist in der Hobbywerkstatt alles andere als einfach. Mit Handwerkzeugen geht das aber wirklich sehr gut. Wie das genau funktioniert, zeige ich euch in diesem Video.

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